Wie ein Impfdübel entsteht: von der Petrischale zum durchwachsenen Dübel

Wer ein Tütchen Impfdübel öffnet, sieht Holzstäbchen mit etwas weißem Flaum darauf. Nicht spektakulär, bis man bedenkt, dass jedes Stäbchen eine lebende Kolonie ist, die Monate vorher auf einer Petrischale begann. Dies ist die Geschichte dieser Reise, denn wer versteht, wie ein Dübel entsteht, versteht auch sofort, warum er im Stamm tut, was er tut.

Schritt 1: Es beginnt auf Agar

Jede Art in unserem Sortiment lebt als Stamm in unserem Archiv: eine dokumentierte Kultur mit bekannten Eigenschaften, vom Geschmack bis zum Wachstumstempo. So eine Kultur bewahren wir auf Agar auf, einem Nährboden in der Petrischale. Dort wächst das Myzel als weißer Fächer, und daran liest man sofort die Gesundheit der Kultur ab: Ein gleichmäßiger, vitaler Fächer ist eine gute Nachricht, Flecken oder Farbunterschiede bedeuten Eingreifen.

In diesen Schritt fließt auch die meiste Sorgfalt. Eine Kultur, die hier nicht in Ordnung ist, wird im weiteren Prozess nur schlechter. Vermehren kann man erst, wenn die Basis stimmt.

Schritt 2: Von Agar auf Getreide

Von der Schale zieht das Myzel auf sterilisiertes Getreide um. Getreidekörner stecken voller Feuchtigkeit und Nährstoffe, entsprechend schneller wächst das Myzel darauf. Nach einiger Zeit ist jedes Korn eine weiße Myzelkugel, und die Körner rollen lose auseinander. Genau das ist der Sinn: Körnerbrut ist streufähig und damit die perfekte Zwischenstation, um größere Mengen zu beimpfen.

Sterilität ist in dieser Phase alles. Getreide ist nicht wählerisch, wer darauf wächst, und eine einzige Schimmelspore aus der Luft reicht, um ein ganzes Glas zu verlieren. Deshalb passiert diese Arbeit mit sterilisiertem Material, in sauberer Luft, mit mehr Alkohol an den Händen als in der Kneipe.

Schritt 3: Die Dübel

Die Dübel selbst sind aus Hartholz, 8 Millimeter dick und 35 Millimeter lang, mit geripptem Profil. Dieses Profil ist kein Detail: Die Rillen vergrößern die Oberfläche, sodass das Myzel mehr Halt hat und später im Stamm schneller Kontakt zum umliegenden Holz aufnimmt.

Bevor Myzel dazukommt, werden die Dübel gewässert und sterilisiert. Trockenes Hartholz ist nämlich unbewohnbar, das Myzel will feuchtes Holz. Danach kommen die Dübel zusammen mit Körnerbrut in Beutel, und dann beginnt das Warten.

Schritt 4: Wochen des Durchwachsens

Im Durchwachsraum, dunkel und um Zimmertemperatur, kriecht das Myzel vom Getreide in die Dübel. Erst werden die Rillen weiß, dann zieht es in die Holzfaser selbst ein. Nach einigen Wochen bis wenigen Monaten, je nach Art, ist jeder Dübel durch und durch besiedelt. Eine langsame Art wie Reishi lässt sich Zeit, ein Austernpilz rast hindurch.

Durchwachsen heißt übrigens nicht, dass der Dübel schneeweiß aussehen muss. Das Myzel sitzt vor allem im Holz, nicht darauf. Ein Dübel mit bescheidenem weißem Schleier kann innen vollständig besetzt sein.

Schritt 5: Kontrolle und Kühlung

Vor dem Verpacken folgt die Kontrolle: Geruch (frisch, nach Wald), Farbe (weiß, kein Grün oder Schwarz) und Durchwuchs. Danach gehen die Dübel in die Kühlung. Kälte legt das Myzel still, ohne ihm zu schaden, so wie es ein Winter draußen auch tut. So bleibt ein Dübel monatelang in Bestform, bis er bei dir in einem frisch gebohrten Loch verschwindet und dort aufwacht.

Warum diese Geschichte deine Ernte vorhersagt

Alles, was der Dübel später in deinem Stamm tut, ist eine Wiederholung dieser Reise: anwachsen, ausbreiten, erobern. Ein Dübel aus einer gesunden Kultur, vollständig durchwachsen, hat die Routine schon drin. Deshalb trauen wir uns zu sagen: Geht mit einem Stamm etwas schief, liegt es fast nie am Dübel und fast immer am Holz, am Zeitpunkt oder an der Feuchtigkeit. Über diese drei haben wir früher schon geschrieben, und es folgt noch viel mehr.

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