Schmetterlingstramete: warum dieser Pilz in Japan im Krankenhaus liegt, und was du zu Hause damit anfangen kannst
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Wer im Wald auf tote Stämme achtet, kennt die Schmetterlingstramete, ohne den Namen zu wissen: dünne, lederartige Fächer in konzentrischen Bändern aus Braun, Grau, Blau und Ocker, mit samtiger Oberseite und weißer, fein perforierter Unterseite. Trametes versicolor, auf Englisch Turkey Tail, wächst auf jedem Kontinent auf fast jedem toten Laubholz. Sie ist ungenießbar im üblichen Sinn und zugleich der meistuntersuchte Holzpilz der Welt. Das verlangt eine Erklärung, und eine ehrliche Trennung zwischen dem, was feststeht, und dem, was Menschen hoffen.
Warum liegt sie in Japan im Krankenhaus?
Weil aus der Schmetterlingstramete in den sechziger Jahren ein proteingebundenes Polysaccharid isoliert wurde, PSK, das in Japan seit Ende der siebziger Jahre als Arzneimittel zur Unterstützung der Behandlung bestimmter Krebsarten zugelassen ist, neben der Chemotherapie, nicht an ihrer Stelle. Es war dort jahrzehntelang eines der meistverschriebenen Mittel seiner Art, und darunter liegt ein ordentlicher Stapel klinischer Forschung. Das ist eine Tatsache, und der Grund, warum die Schmetterlingstramete in fast jedem Buch über Heilpilze vorne steht.
Was bedeutet das für einen Pilz aus deinem eigenen Garten?
Weniger, als die Bücher suggerieren, und das sagen wir lieber selbst, als dass du es später entdeckst. PSK ist ein standardisierter Extrakt, hergestellt aus gezüchtetem Myzel unter pharmazeutischen Bedingungen, in einer gemessenen Dosis. Ein Tee aus getrockneten Trameten aus deiner Benjeshecke ist das nicht. Er enthält einen Teil derselben Stoffe in unbekannter Menge, und es gibt keine Forschung, die sagt, was so ein Tee beim Menschen bewirkt. Wer die Schmetterlingstramete in der Hoffnung auf ein Medikament züchtet, muss das wissen. Wer krank ist, spricht mit einem Arzt und nicht mit einer Zucht. Wir verkaufen Dübel eines schönen, zähen, interessanten Pilzes, keine Behandlung.
Warum züchtet man sie dann?
Aus drei Gründen, die nichts mit Versprechen zu tun haben. Erstens, weil sie der einfachste Holzpilz überhaupt ist: Sie wächst auf jedem Laubbaum, auch auf dünnen Ästen und alten Stümpfen, verzeiht alles und trägt jahrelang. Zweitens wegen der Schönheit: Eine frische Tramete im Herbst, mit ihren Bändern in Blau und Braun und ihrem samtigen Rand, ist eines der schönsten Dinge, die aus Totholz kommen können, und getrocknet bleibt sie das. Drittens wegen des Tees selbst, als Getränk und nicht als Medizin: Getrocknet und eine halbe Stunde gezogen ergibt sie eine leicht bittere, erdige, ehrlich gesagt etwas medizinisch schmeckende Brühe, die in Asien seit Jahrhunderten als warmes Getränk getrunken wird, und die in einem Wintertee mit Ingwer und Honig gut aufgehoben ist.
Wie züchtet man die Schmetterlingstramete?
Wie jede Art mit Dübeln, nur mit weniger Ansprüchen. Jeder frische Laubstamm oder dicke Ast funktioniert, Buche, Birke, Eiche, Weide, Esche, Obstbäume; dünnes Holz von fünf bis zehn Zentimetern ist prima. Bohren, Dübel hinein, Wachs darüber, in den Schatten legen. Die Tramete ist schnell: oft schon innerhalb eines Jahres die ersten Fächer, im Herbst, und danach jeden Herbst wieder, drei bis fünf Jahre lang. Sie verträgt Trockenheit besser als fast jede andere Art und hat an einer Benjeshecke einen idealen Platz. Achtung beim Ernten: Es gibt Doppelgänger, vor allem den Gezonten Ohrlappenpilz, der eine ähnliche Bänderung hat, aber eine glatte, porenlose Unterseite. Die Schmetterlingstramete hat immer feine Poren an der Unterseite, drei bis fünf pro Millimeter, mit der Lupe sichtbar. An einem Stamm, den du selbst beimpft hast, ist eine Verwechslung unwahrscheinlich, im Wald achtest du darauf.
Ernten und trocknen
Ernte junge, biegsame Exemplare mit weißem, frischem Rand; alte, verblasste und harte Fächer haben ihre beste Zeit hinter sich. Schneide sie ab, bürste sie sauber und trockne sie im Ofen bei 50 Grad oder einige Tage auf der Heizung, bis sie hart sind. In einem dichten Glas halten sie ein Jahr. Für Tee: eine Handvoll getrocknete Stücke in einem Liter Wasser, eine halbe Stunde sanft ziehen lassen, abseihen. Bewahre den Aufguss im Kühlschrank auf und trinke ihn warm, mit etwas, das die Bitterkeit abrundet.
Die ehrliche Zusammenfassung
Die Schmetterlingstramete ist ein prächtiger, starker, unverwüstlicher Pilz, aus dem in Japan ein echtes Arzneimittel gemacht wurde. Dieses Arzneimittel kaufst du nicht bei einer Zucht und machst du nicht in deiner Küche. Was du kannst: einen Stamm voller Bänder in Blau und Braun züchten, ihn im Herbst genießen, ihn trocknen, einen Wintertee daraus ziehen und dabei wissen, dass du einen der meistuntersuchten Organismen der Erde ansiehst. Das ist für uns Grund genug, sie im Sortiment zu haben.