Was kostet ein Kilo selbst gezogener Austernpilze wirklich? Eine ehrliche Rechnung

Selbst züchten ist doch viel günstiger? Diese Frage bekommen wir oft, und die ehrliche Antwort lautet: Das kommt darauf an. Auf die Methode, auf deine Geduld und darauf, was du mitzählst. Hier rechnen wir drei Wege durch, Austernpilze zu züchten, mit runden Beträgen, wie sie im Sommer 2024 ungefähr liegen. Preise ändern sich, die Verhältnisse nicht.

Womit vergleichen wir?

Austernpilze kosten im Supermarkt und auf dem Markt, je nach Saison und Verpackung, irgendwo zwischen zehn und fünfzehn Euro pro Kilo. Bio oder besondere Sorten wie Rosa und Gelber Austernpilz liegen deutlich darüber oder sind schlicht nicht zu kaufen. Das ist die Messlatte.

Methode 1: das Zuchtset

Ein XL-Zuchtset mit gut drei Kilo Substrat kostet um die zwanzig Euro. Daraus kommt bei normalem Gebrauch etwa ein Kilo Austernpilze, verteilt auf zwei bis vier Erntewellen; mit guter Pflege und einer geduldigen dritten Welle manchmal mehr. Rechne also mit fünfzehn bis zwanzig Euro pro Kilo. Das ist ungefähr der Ladenpreis, also keine Ersparnis. Was du aber kaufst: Pilze, die frischer sind als alles im Laden, das Erlebnis des Züchtens und die Sicherheit, dass es klappt. Fürs erste Mal ist das ein guter Tausch. Als Sparmaßnahme ist das Zuchtset nicht gedacht.

Methode 2: Brut und ein Eimer Stroh

Ein Tütchen Brut mit 80 Gramm kostet unter zehn Euro und reicht für einen Eimer von zehn bis zwanzig Litern. Stroh kostet fast nichts (ein Ballen vom Bauern oder aus dem Tierbedarf kostet ein paar Euro und reicht Monate), den Eimer hast du oder findest du, und pasteurisiert wird in einem Topf oder einer Tonne mit heißem Wasser. Aus so einem Eimer kommen bei gelungener Zucht eineinhalb bis zweieinhalb Kilo. Das bringt den Preis auf vier bis sechs Euro pro Kilo, weniger als die Hälfte des Ladenpreises. Der Haken: Misslingt der Eimer durch Kontamination, sieht die Rechnung auf einen Schlag anders aus. Der erste Eimer misslingt Anfängern öfter als der fünfte. Rechne über ein Jahr mit ein paar Versuchen, und der Durchschnitt bleibt deutlich unter dem Ladenpreis.

Methode 3: der Stamm

Fünfundzwanzig Dübel kosten um die elf Euro, Wachs inklusive. Der Stamm ist gratis, wenn du weißt, wo du suchen musst. Im ersten Jahr kommt nichts, und das ist der Moment, in dem die meisten Leute die Rechnung abbrechen. Ab dem zweiten Jahr liefert ein Meterstamm zwei bis drei Wellen pro Jahr von jeweils ein paar hundert Gramm bis einem Kilo, und das drei bis fünf Jahre lang. Über die Lebensdauer des Stamms kommst du auf einige Kilo für elf Euro, also zwei bis vier Euro pro Kilo, und danach Richtung null. Es gibt keine günstigere Art, Pilze zu essen, als einen Stamm, den du 2024 beimpft hast und 2027 immer noch erntest.

MethodeInvestitionErtragPreis pro KiloWartezeit
Zuchtset XLca. 20 Euroca. 1 Kilo15 bis 20 Euro1 bis 2 Wochen
Brut + Eimer Strohca. 10 Euro1,5 bis 2,5 Kilo4 bis 6 Euro4 bis 8 Wochen
25 Dübel + Stammca. 11 Euroeinige Kilo über Jahre2 bis 4 Euro, sinkend6 bis 18 Monate

Was zählt in dieser Rechnung nicht mit?

Deine Zeit. Ein Zuchtset kostet fünf Minuten Sprühen am Tag, ein Eimer einen Nachmittag Vorbereitung, ein Stamm einen Vormittag Bohren. Wer seine Stunden mitrechnet, landet bei allen dreien über dem Ladenpreis, genau wie beim Tomatenanbau und Brotbacken. Aber wer seine Stunden mitrechnet, muss auch mitrechnen, dass es Spaß macht. Das tun wir also nicht, und du wahrscheinlich auch nicht.

Das ehrliche Fazit

Willst du günstiger essen als im Supermarkt, wähle Brut oder Dübel und akzeptiere, dass es länger dauert und manchmal misslingt. Willst du vor allem sicher sein, dass es klappt, und es innerhalb von zwei Wochen auf dem Teller haben, wähle das Zuchtset und sieh den Preis als Lehrgeld. Und wer beides macht, in der Reihenfolge, die wir in einem früheren Beitrag empfohlen haben, isst nach einem Jahr Austernpilze für einen Bruchteil des Ladenpreises, ohne dass es sich je wie Sparen angefühlt hat.

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