Drinnen oder draußen züchten: die ehrliche Abwägung für unser Klima
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Fast jeder Anfänger stellt dieselbe Frage: Soll ich drinnen oder draußen züchten? Die Antwort hängt davon ab, was du willst, nicht davon, was "besser" ist. Drinnen züchten ist schnell und kontrollierbar, draußen züchten ist langsam und üppig. Und das nordwesteuropäische Klima, mit nassen Wintern, wechselhaften Sommern und beheizten Häusern, macht die Wahl etwas anders, als es dir Websites aus anderen Weltgegenden erzählen.
Drinnen: das Zuchtset auf dem Küchentisch
Drinnen arbeitest du fast immer mit einem Zuchtset, einem durchwachsenen Block, den du nur aufschneiden und besprühen musst. Der große Vorteil: Du ignorierst die Jahreszeit, im Januar und im Juli erntest du genau dasselbe. Innerhalb von zwei Wochen hast du ein Ergebnis, und jeden Tag siehst du etwas passieren. Nachteil: Ein Block liefert zwei bis vier Erntewellen und ist dann erschöpft. Es ist ein Projekt von ein paar Monaten, keine Zucht.
Das beheizte Haus hat dabei einen Feind: die Zentralheizung. Von Oktober bis April ist die Luft in einem durchschnittlichen Wohnzimmer trockener als in der Sahara, und das ist genau das, was ein Zuchtset nicht will. Stell den Block dann in den kühlsten Raum des Hauses und sprüh öfter, als du für nötig hältst. Im Sommer ist es das umgekehrte Problem: Ein Block auf einem warmen Dachboden bei dreißig Grad tut nichts. Hauswirtschaftsraum, Flur oder unbeheiztes Schlafzimmer sind in neun von zehn Fällen der beste Platz, das ganze Jahr über.
Draußen: Stämme, Beete und Eimer
Draußen züchtest du auf Stämmen, in einem Häckselbeet oder in einem Eimer mit Stroh. Es dauert länger, von Monaten bis eineinhalb Jahren, und du hast das Wetter nicht in der Hand. Aber wenn es einmal läuft, liefert es jahrelang Ernte, ohne dass du noch etwas dafür tun musst. Ein Stamm, den du 2024 beimpfst, trägt 2030 vielleicht noch Pilze. Das ist eine andere Art von Ergebnis als ein Block auf dem Tisch.
Unser Wetter ist für die Freilandzucht eigentlich günstig. Milde Winter ohne wochenlangen strengen Frost, viel Regen und selten extreme Trockenheit. Die Risiken liegen in den Ausreißern: ein heißer, trockener Sommer, wie wir ihn in den letzten Jahren öfter haben, in dem Stämme austrocknen, wenn man nicht aufpasst, und ein nasser Herbst, in dem Schnecken die Ernte fressen, bevor du sie siehst. Beides lässt sich abfangen, siehe unseren Beitrag über den Schutz der Ernte.
Der Unterschied in einer Tabelle
| Drinnen | Draußen | |
|---|---|---|
| Erste Ernte | 1 bis 3 Wochen | 6 bis 18 Monate |
| Erntedauer | 2 bis 4 Wellen, dann erschöpft | Jahre |
| Saison | Das ganze Jahr | Frühjahr und Herbst, Winter für Samtfußrübling |
| Arbeit | Tägliches Sprühen | Ein Tag Beimpfen, danach fast nichts |
| Risiko | Austrocknen, zu warm, grüner Schimmel | Trockenheit, Schnecken, Geduld |
| Arten | Austernpilz, Igelstachelbart, Klapperschwamm, Reishi | Alles, was auf Holz wächst, plus Braunkappe |
Welche Arten passen wohin?
Manche Arten sind eindeutig Drinnen-Arten. Der Rosa Austernpilz ist tropisch und geht draußen bei uns nur in einem warmen Sommermonat. Der Igelstachelbart geht auf Stamm, ist drinnen aber zuverlässiger und schöner. Andere Arten sind gerade Draußen-Arten: Shiitake auf Stamm liefert dickere, aromatischere Hüte als Shiitake auf einem Block, und der Samtfußrübling will die Winterkälte, die du drinnen nicht bieten kannst. Der Austernpilz macht beides gut und ist damit die ideale erste Art, um beides auszuprobieren.
Was empfehlen wir?
Die Kombination, in dieser Reihenfolge. Fang drinnen mit einem Zuchtset an, damit du innerhalb eines Monats weißt, wie ein Pilz wächst und wie er schmeckt. Beimpfe gleichzeitig, oder im Februar des Folgejahres, ein oder zwei Stämme draußen. Bis die Stämme in Gang kommen, hast du drinnen schon drei oder vier Sets verbraucht und weißt genau, was dir schmeckt. Drinnen ist die Schule, draußen ist die Zucht. Wer nur draußen anfängt, lernt das Warten nie, und wer nur drinnen bleibt, verpasst den Moment, in dem im Oktober plötzlich ein Kilo an einem Stamm hängt, den man fast vergessen hatte.